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Peter Behrens School
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ARCHITEKTUR EINE WEIBLICHE PROFESSION

Zunehmend stehen in der Architektur auch Frauen im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit. Doch inwieweit wird sich die Verschiebung der Relation auch auf die Profession und Lehre auswirken und damit Strukturen, Zielsetzungen und diskursive Inhalte verändern? Was ist Architektur, wenn geschlechtsspezifische Handlungsstrategien zugunsten komplexer Differenzierung überwunden werden? Welche Optionen liegen in dem anstehenden Paradigmenwechsel?

Bekannte internationale Architektinnen berichten von ihren akademischen und professionellen Erfahrungen und ihren Visionen für die Zukunft. Zu Wort kommen Pionierinnen der Szene, etablierte Lehrende und junge, aufstrebende Frauen. Sie alle beziehen kontrovers Stellung zu relevanten Themen des Diskurses und fordern zum (Um-)Denken heraus. Fotoessays und Entwürfe illustrieren die jeweiligen Positionen. So entsteht ein Nachschlagewerk, ein „Werkzeug“ für das alltägliche Handeln junger Architekten, inspirierend, optimistisch und manchmal subversiv.

Within
architecture, women are increasingly coming to the fore. To what extent will this shift in relations affect the profession as well as its teaching and therefore its structures, objectives and dialogic content? What is architecture when gender-specific strategies are overcome in the name of complex differentiation? What potential does the approaching paradigm shift hold?

Well-known international female architects report their academic and professional experiences and their visions for the future. Pioneers of the scene, lecturers, and young up-and-coming women have their say. They all hold controversial positions on relevant topics of debate; they demand that matters be rethought. Photo essays and designs illustrate their individual points of view. This is a reference book, a “tool” for the everyday application of young architects; inspiring, optimistic, and sometimes subversive.

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entwerfen ist werden

Entwerfen heißt, Neues zu schaffen oder Bekanntes so zu kombinieren, dass kontextuierend Neues entsteht. Eine der Konditionen des Entwurfs ist das Erwerben eines breiten Wissens auf der einen Seite und das ständige Erweitern dieses Wissens, horizontal wie vertikal, auf der anderen Seite. Zudem beruht entwerferisches Vermögen auf Begabung und Befähigung zur Wahrnehmung und der Transformation dieser Wahrnehmung in, für die Disziplin relevante gestalterisch-räumliche Aussagen.


1. Wissen

Je mehr man weiß, desto mehr sieht man, desto mehr kann man aus Kombinationen erworbenen Wissens und erlernter Methoden (bzw. eine kritische Auswahl daraus) mit der sinnlichen Wahrnehmung und dem eigenen kreativen Potential möglich Neues entwickeln. Innovation, die Erschaffung von ‚Neuem’, ist letztendlich die Verbindung, das In-Beziehung-Setzen, von vormals Unverbundenem.

Für die Lehre bedeutet das im eigentlichen und übertragenen Sinne, dass es nicht mehr (nur) institutionelles Ziel sein kann, Studenten mit Wissen auszustatten, welches sie dann verwalten und ggf. vermarkten, sondern, Studenten bereits innerhalb ihrer Ausbildung mit dem (disziplinären/interdisziplinären) Kontext zu vernetzen. Die Institution wird somit auch als Mediator, Kommunikator und Katalysator wirksam. Als Lehrende agiere ich zunehmend auch als Moderator, als Optionen identifizierender Scout, als Kontakter, als Manager. Das Verhältnis von Lehrer und Student reformuliert sich, Professoren/innen sind nicht mehr Meister, sondern strategische Partner.

Lehrende können (sollten) als Scharnier zwischen Disziplinen und gesellschaftlichen Gruppen agieren. In den diesen Zwischenräumen entsteht potentiell ‚neues Wissen’. Der disziplinübergreifende Ansatz kann einen Prozess in Gang setzen, der allen Teilnehmern Erkenntnisse ermöglicht, die einzelne Disziplinen isoliert nicht gewinnen, demzufolge auch nicht formulieren können. Die Voraussetzung ist natürlich das Akzeptieren der Eigendynamik eines prozesshaften Vorgehens. Die sich informierenden [im Sinne von gegenseitigem In-Form-bringen] Kompetenzen unterschiedlicher Fachrichtungen bedingen Ergebnisse, die sich im Projektverlauf ständig neu explizieren.

Dabei geht es in keinem Falle um die Aneignung der Kompetenzen der anderen, sondern um das Aufspüren von Erkenntnissmöglichkeiten und gegenseitiger Fachdienlichkeit im Spannungsfeld der Unterschiedlichkeit. Das Ergebnis/Ziel ist in seiner Bedeutung dem Prozess untergeordnet, der an sich inhaltlich und gestalterisch relevant ist, das präsentierte Produkt ist eine Momentaufnahme dieses erkenntnisstiftenden Prozesses.

Dieses Wissen eignet man sich notwendigerweise innerhalb der eigenen Disziplin – in der Architektur, aber auch an den Rändern oder außerhalb des engeren Fachgebiets an. Insofern ist die intensive Befassung mit dem Territorium der Architektur, den Grenzen dieses Territoriums und ein Spähen über diese Grenzen hinaus eine Bedingung architektonischer Produktion. Vor allem weil Architektur niemals sich selbst genügt oder genügen kann, sie ist immer die Manifestation einer Haltung, kulturell, politisch oder künstlerisch, und wirkt somit immer über sich selbst hinaus. Die Bewusstmachung dieser Verantwortung ist ein Anliegen der Architekturausbildung.

In der Informationsgesellschaft ist das Bewahren und das Verwalten von Bewahrtem von unmaßgeblicherer Relevanz als das Austauschen von Informationen in einem netzwerkartig verknüpften Kontext. Der Grad an Informiertheit und Vernetztheit bedingt Erfolg; Teilnahme und ‚Access’ werden zur Kondition für gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten und soziale Handlungsmöglichkeiten.

2. Prozess: das Mögliche erkennen, nicht das Machbare!

Wenn also dass angeblich ‚Machbare’ als einziges Kriterium der entwerferischen Produktion oder des seminaristischen Produkts definiert wird, kann keine Innovation entstehen.

Im Gegenteil: Der Prozess selbst ist kreativer Akt und in allen Phasen kreativ bedeutsam. Eigentlich sind es oft die Nebenprodukte, nicht das Hauptprodukt eines gestalterischen Prozesses, die die Anstrengung an sich rechtfertigen und die Profession und das Individuum in ihr weiterbringen.

Im Prozess kontextualisiert sich der Verfasser stets neu und in dem Akt der Kontextualisierung liegt die Möglichkeit der (Er)Findung eines individuellen Standpunktes in der Disziplin. Der Verfasser entwickelt ein Verständnis für sich und sein Anliegen im Verhältnis zu den Parametern der Aufgabe und des kulturellen Kontexts.

Aufgrund eines stark prozessorientierten Vermittlungsdiskurses haben Studenten zum einen die Möglichkeit, die Verwendbarkeit und Relevanz erworbenen Wissens unmittelbar überprüfen – genau wie die Grenzen dieses Wissens. Zum anderen steigt der persönlich-gestalterische Anteil am Wissenserwerb durch das, sich erst im Ablauf formulierende Lernziel, erheblich.

Prozesse sind auf der Basis unterschiedlichster struktureller Prinzipien planbar. Hier kann die Produktionspraxis von Architektur selbst (Statik/Konstruktion oder klassische Leit-/Rahmenplanung) aber auch andere Disziplinen (Komposition, Choreografie, u.s.w.) als Grundlage dienen. Bedeutsam ist, dass der Prozess als eigenständiges ästhetisches Produkt verstanden wird und insofern auch seine Dokumentation ein allein stehendes gestalterisches Werk darstellt. Die Studenten sollten dabei lernen, der Entwicklung einen eigenen Raum zu geben, also das Entwickeln an sich als legitimes Ziel zu sehen – die Erfahrung des ‚Werdens‘ und des sich im Werden Findens und neu Erfindens ist entwurfsmethodisch nachhaltig prägend.

Der ergebnisoffene Weg zum architektonischen ‚Ziel’ gewinnt somit eine eigenständige ästhetische und methodische Qualität, die erkenntniseminenter sein kann als die lineare Verfolgen einer Zielvorstellung, die einen Prozess angeblich mit einem Endprodukt finalisiert.

3. Ziel

Ein Gestalter schafft Bedingungen, die Handeln begünstigen oder erschweren. Gestalter übersetzen Visionen und Ideen in die Welt, so dass sie lesbar, erfahrbar werden. Architektur macht – im besten Falle – kulturelle Zusammenhänge transparent und weist gleichzeitig über sie hinaus...


FH Düsseldorf
03.10.2012 - 12:18

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